"Ökonomische Konzepte im Gesundheitswesen"
Interview mit Prof. Dr. Mathias Kifmann, Lehrender der Module Modul "Public Health und Gesundheitssysteme" (Teil Gesundheitssysteme) und "Gesundheitsökonomie"

Foto: hche/Höhne
Was sind die zentralen Inhalte des Moduls "Public Health und Gesundheitssysteme"?
Im von mir unterrichteten Teil "Gesundheitssysteme" werden die Finanzierung und Organisation ausgewählter Gesundheitssysteme vorgestellt. Dabei werden ökonomische, historische und politische Aspekte diskutiert. Es werden ausgewählte Sozialversicherungssysteme und nationale Gesundheitsdienste aus Europa sowie die Gesundheitssysteme Taiwans und der USA näher betrachtet.
Welche Kompetenzen gewinnen die Teilnehmenden durch das Modul?
Die Teilnehmenden erwerben ein Verständnis für die zentralen Merkmale verschiedener Gesundheitssysteme und erkennen, wie sich diese auf die Verteilung und Zuweisung von Ressourcen auswirken. Darauf aufbauend können sie verschiedene Finanzierungs- und Organisationsmodelle im Gesundheitswesen kritisch hinterfragen. Die Inhalte inspirieren dazu, sich mit innovativen Ansätzen aus anderen Ländern zu beschäftigen und die Übertragbarkeit auf das deutsche Gesundheitswesen zu überprüfen.
Welche Fähigkeiten oder Kenntnisse können die Teilnehmenden nach Abschluss des Moduls in der Praxis anwenden?
Nach dem Modul können die Teilnehmenden besser einschätzen, wie das Gesundheitssystem unser Verhalten beeinflusst. Sie wissen, dass es auch andere Herangehensweisen gibt und können diese kritisch hinterfragen. Außerdem sind sie in der Lage, verschiedene Organisationen und Finanzierungsmodelle aus anderen Ländern zu vergleichen und über alternative Lösungen nachzudenken.
Was motiviert Sie persönlich, dieses Modul anzubieten?
Der Vergleich verschiedener Gesundheitssysteme zeigt, dass es keinen universellen Königsweg gibt. Die Beschäftigung mit internationalen Systemen macht Stärken und Schwächen des eigenen Systems sichtbar. Ich möchte in diesem Modul dazu einladen, vertraute Abläufe zu hinterfragen und mögliche Alternativen zu diskutieren.
Was sind die zentralen Inhalte und Lernziele des Moduls "Gesundheitsökonomie"?
In diesem Modul werden gesundheitsökonomische Konzepte mit einer Analyse des deutschen Gesundheitswesens verknüpft. Es werden die Verhaltensweisen der wichtigsten Akteur:innen (z.B. Krankenkassen, Ärzt:innen, Krankenhäuser) untersucht. Zudem liegt ein besonderer Fokus auf dem Arzneimittelmarkt. Ein Schwerpunkt liegt in der Analyse der Wirkung von Anreizen für die Akteur:innen. Darüber hinaus befasst sich das Modul mit der Bewertung diagnostischer Tests und deren Informationswert. Unsere Betrachtungsweise ist volkswirtschaftlich ausgerichtet. Die Studieninhalte haben aber enge Bezüge zu betriebswirtschaftlichen Themen, die in anderen Modulen des Studiengangs behandelt werden.
Welche Kompetenzen gewinnen die Teilnehmenden durch das Modul?
Die Teilnehmenden lernen, das Gesundheitswesen aus ökonomischer Perspektive zu betrachten. Sie erweitern ihr Verständnis für die Besonderheiten von Gesundheitsgütern und entwickeln ein Gespür für die Wirkungsweise von Anreiz- und Wettbewerbsstrukturen sowie deren Effizienz.
Welche Kenntnisse können sie nach Abschluss des Moduls in der Praxis anwenden?
Das Modul regt die Teilnehmenden dazu an, darüber nachzudenken, wie Anreizstrukturen das Verhalten der Akteur:innen im Gesundheitswesen beeinflussen und wie verschiedene Organisationsformen die Nutzung und Verteilung von Ressourcen gestalten. Dieses Verständnis für rationale Ressourcenverwendung, beispielsweise bei der gezielten Nutzung diagnostischer Tests, können die Teilnehmenden direkt in ihrer Berufspraxis einsetzen.
Was möchten Sie den Teilnehmenden in diesem Modul mit auf den Weg geben?
Mein Credo lautet: Ökonomisches Denken kann maßgeblich dazu beitragen, ein qualitativ hochwertiges und zugleich bezahlbares Gesundheitswesen zu gestalten. Besonders in der Zusammenarbeit der verschiedenen Akteurinnen und Akteure im Gesundheitssystem gewinnt die ökonomische Analyse an Bedeutung. Ich möchte den Teilnehmenden vermitteln, dass eine ökonomische Perspektive zu verlässlichen Erkenntnissen führt, die zum Wohlergehen der Menschen beitragen.
(Das Interview führte Magdalene Asbeck, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit am ZFW, am 17.11.2025.)