Seminarinhalte
Seminarinhalte
Modul 1: Einstieg in die Gruppenmediation
Grundannahmen und Besonderheiten bei der Mediation in Gruppen. Den Auftrag klären und den Beginn gestalten, sowie das Identifizieren und Priorisieren der zu bearbeitenden Konfliktthemen.
Im Vergleich zu einer Mediation mit zwei Personen stellt uns die Mediation in Gruppen vor zusätzliche Herausforderungen:
- mehrseitige, kontinuierliche Auftragsklärung sowie Verfahrensplanung
- Umgang mit verschiedenen Zielebenen
- Entwicklung von Gruppennormen
- Komplexität der Beziehungen und Interessen
- Reflexion der eigenen Haltung (z.B. im Umgang mit Widerstand)
Anhand von praxisrelevanten Modellen führen wir zentrale Grundannahmen und Methoden zur prozessbegleitenden Arbeit in Gruppen ein. In Übungen und Rollenspielen werden Auftragsklärung, Kontakt- und Vertrauensförderung sowie die Identifikation von individuellen Anliegen und Konfliktthemen der Gruppe erprobt. Dabei wird der praktische Einsatz der vorgestellten Modelle eingeübt.
Modul 2: Erhellung von Hintergründen in Gruppen: Umgang mit Emotionen und Werten
Das Spektrum der Konfliktbearbeitungsverfahren, Methoden zur Erhellung der Hintergründe, Umgang mit Emotionen und Wertekonflikten in Gruppen.
Wir werden in diesem Seminar spezifische Methoden für die Erhellung von Konflikthintergründen in Gruppen erproben. Dem Umgang mit Wertekonflikten und Emotionen kommt dabei besondere Bedeutung zu.
In Gruppen, wie in der Zwei-Personen-Mediation, spielen darüber hinaus Emotionen eine zentrale Rolle: Sie sind der Schlüssel zum gegenseitigen Verstehen und energetisieren die Beteiligten. Häufig entfalten sie in Konflikten eine destruktive Dynamik, welche aufgrund der Vielzahl der Beteiligten schwer zu moderieren ist. Die Beteiligten sind selten zum Perspektivenwechsel und emotionalen Nachempfinden bereit. Somit sind Mediator:innen wie Konfliktparteien im Gruppenkontext einer ungleich komplexeren emotionalen Gemengelage ausgesetzt. Die Frage der Regulation eigener und fremder Emotionen gewinnt damit an Bedeutung.
Modul 3: Gruppenprozesse gestalten und Verhandeln in Gruppen
Gruppenprozesse und Teamentwicklung, Methoden zur Analyse und Dynamik in Gruppen, Aushandeln von Vereinbarungen, ihre Umsetzung vorbereiten und den Transfer sichern.
Die Kenntnis von Modellen über typische Prozesse, Entwicklungsmuster, Konfliktdynamiken und Rollen/Funktionen in Gruppen und Teams Grundlage für die Arbeit als Mediator:in in Gruppenkonflikten. Die Modelle befähigen zur konkreten Entscheidung über das eigene methodische Vorgehen.
Auf die Konflikterhellung (Gefühle, Interessen, Bedürfnisse) folgen Schritte der Integration: Es geht nun darum in Phasen 4 und 5, Umsetzungsoptionen zu kreieren, zu bewerten, zu verhandeln und schließlich zu vereinbaren. Wir blicken zudem auf methodische Rahmenbedingungen, die es unterstützen, dass die Gruppe möglichst frei eine Vielfalt von Optionen erarbeitet sowie die Rolle und Arbeitsweisen der Mediator:innen im Aushandlungsprozess.
Abschließend werden der Risikocheck von Vereinbarungen sowie die Frage der Begleitung im Transfer betrachtet.
Modul 4: Vertiefung besonderer Herausforderungen der Mediation von Gruppen
Einbindung von Führungskräften, Umgang mit Außenseiter:innen, Arbeit mit Repräsentant:innen, Einbettung in systemische Prozesse und Organisationsentwicklung, Konflikt-Assessment und vertiefte Auftragsklärung.
In diesem Seminar befassen wir uns intensiv mit Fragen des Fallmanagements, mit Fragen der mediationsvorbereitenden Arbeit mit den Beteiligten und Fragen der Vorgehensweise. Mediator:innen sind in der Gruppenmediation mit den Bedürfnissen der diversen Parteien sowie zusätzlich mit denen einer Auftraggeber:in nach Plan- und Einschätzbarkeit des Klärungsprozesses konfrontiert. Mit den formellen und informellen Auftragsformulierungen von Auftraggeber:innen, Vorgesetzten und Gruppenmitgliedern braucht es einen transparenten Umgang, der die Vertrauensbildung in den Mediationsprozess fördert. Ist die Mediation teil eines Organisationsentwicklungsprozesses, gilt es weitere Besonderheiten zu beachten.
Zuweilen birgt die Mediation in Gruppen spezielle Herausforderungen: In Konflikten, bei denen Führungskräften Konfliktbeteiligte sind, gilt es deren Rolle und die hierarchischen Unterschiede zu berücksichtigen. Auch bei Ausgrenzungs- und Außenseiterdynamiken ist eine besondere Sensibilität im Umgang sowie entsprechendes Handwerkzeug erforderlich.
Besondere Anforderungen stellt darüber hinaus die Arbeit mit Mediationsbeteiligten dar, die stellvertretend für eine Gruppe oder für abwesende Personen an der Mediation teilnehmen. Wir erproben Möglichkeiten, Repräsentant:innen bestmöglich einzubinden.