"Mia San Landauer": Erinnerungskultur und kollektive Identitäten beim FC Bayern München

Foto: © Magnussen, Friedrich (1914-1987), Stadtarchiv Kiel / Cc BY-SA 3.0 de
Wann: Do, 11.12.2025, 18:30 Uhr bis 20:00 Uhr
Wo: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Beim Schlump 83, 20144 Hamburg, Lesesaal
Kurt Landauer, langjähriger Präsident des FC Bayern München, wurde von den Nationalsozialisten als Jude verfolgt und ins Exil gezwungen. Erst Anfang der 2000er Jahre bekam er einen Platz in der Erinnerungskultur des Vereins. Auf Jahrzehnte des Schweigens folgte nun ein umso lauteres Erinnern – und mit diesem Erinnern eine symbolische Identifikation: Fans und Verein entwickelten eine Praxis der "Opferidentifikation", die sich um Landauer und das neue Narrativ des Vereins als "Judenklub" formierte. Einzelne Wissenschaftler und Medien begannen dieses identitätsstiftende Narrativ kritisch zu hinterfragen. Auf die Inszenierung von Erinnerung folgte die historische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Vereins.
Pavel Brunssen untersucht, wie erinnerungskulturelle Prozesse und kollektive Identitätskonstruktionen zusammenhängen. Was macht die Identifikation mit Landauer für Fans und Vereinsführung attraktiv? Welche Funktionen erfüllt das Narrativ des "Judenklubs"? Wie verhalten sich Erinnern und Vergessen zueinander? Und wie lässt sich die erinnerungskulturelle Praxis eines Vereins im Spannungsfeld von Fußballkultur, urbaner Öffentlichkeit und nationaler Gedächtnispolitik verorten?
Dr. Pavel Brunssen, Forschungsstelle Antiziganismus, Universität Heidelberg
Öffentliche Vorlesung im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens
"Auf die Plätze…" Sportgeschichte(n) als Gesellschaftsgeschichte
Sport ist mehr als Spiel, Wettkampf und Rekord. In ihm spiegeln sich gesellschaftliche Entwicklungen wider. Dies zeigte sich beispielsweise während der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 in Katar, als in der Öffentlichkeit ebenso intensiv über Menschenrechtsverletzungen, Homophobie und katastrophale Arbeitsbedingungen diskutiert wurde wie über Tore, Aufstellungen und falsche Schiedsrichterentscheidungen. Auch Proteste gegen die Ausrichtung von Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen verdeutlichen, dass Sport, Politik und Gesellschaft eng miteinander verzahnt sind.
Die Veranstaltungsreihe widmet sich dem Sport als sozialem, politischem und kulturellem Phänomen – vom Nationalsozialismus bis in die jüngste Zeitgeschichte. Welche Bedeutung wurde ihm in unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen zugeschrieben? Was hat die Geschichte des Sports mit Macht, Körperpolitiken, Identität oder Erinnerung zu tun? Wie verhält sie sich zu Fragen von Individualisierung, Kommerzialisierung oder Medialisierung?
Die Referent:innen werden solchen Fragen anhand von so unterschiedlichen Sportarten wie Fußball, Rudern oder Skateboarden nachgehen und dabei Ergebnisse aus aktuellen Forschungsprojekten und neuesten Veröffentlichungen zur Geschichte des Sports präsentieren.
Bitte beachten Sie: Die Vorträge werden auch via Zoom übertragen. Der Link dazu wird kurzfristig auf der Website der Forschungsstelle bekannt gegeben: https://zeitgeschichte-hamburg.de/home.html
donnerstags, 18:30 - 20:00 Uhr, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Beim Schlump 83, Lesesaal
Koordination: Dr. Marcel Bois / PD Dr. Yvonne Robel / Maike Raap, M.A. (Öffentlichkeitsarbeit), alle Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg