Klassenkampf im Flutlicht: Sport im geteilten Deutschland

Foto: © Magnussen, Friedrich (1914-1987), Stadtarchiv Kiel / Cc BY-SA 3.0 de
Wann: Do, 04.12.2025, 18:30 Uhr bis 20:00 Uhr
Wo: Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Beim Schlump 83, 20144 Hamburg, Lesesaal
In einer Augustnacht 1969 schwamm Axel Mitbauer bei Boltenhagen vorbei an den Suchscheinwerfern ins offene Meer hinaus. Sich nur an den Sternen orientierend, gelangte er nach 20 Kilometern in die Lübecker Bucht. Dem Langstreckenschwimmer war es gelungen, seine eigene Sportart zu nutzen, um der SED-Diktatur zu entkommen. Für die DDR war es ein schwerer Image-Schaden, wenn ein sozialistischer Vorzeigeathlet zum "Klassenfeind" wechselte. Denn Sport war im Kalten Krieg nicht nur ein Kampf um Meter und Sekunden, sondern zugleich ein politisch aufgeladener Wettbewerb der Systeme. Der Vortrag analysiert, wie Athleten und Fans in den Sog des Ost-West-Konflikts gerieten. Welche Folgen hatten politische Boykotte von Olympischen Spielen, aber auch das Zwangsdoping in der DDR für das Selbstverständnis des Sports? Und wieso versuchte der vereinte Sport seit 1990, von der Diktatur zu lernen? Jutta Braun zeigt, weshalb der Sport bis heute zu den heikelsten Feldern der deutsch-deutschen Erinnerungskultur gehört.
Dr. Jutta Braun, Leiterin der Abteilung IV "Regime des Sozialen", Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Öffentliche Vorlesung im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesens
"Auf die Plätze…" Sportgeschichte(n) als Gesellschaftsgeschichte
Sport ist mehr als Spiel, Wettkampf und Rekord. In ihm spiegeln sich gesellschaftliche Entwicklungen wider. Dies zeigte sich beispielsweise während der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 in Katar, als in der Öffentlichkeit ebenso intensiv über Menschenrechtsverletzungen, Homophobie und katastrophale Arbeitsbedingungen diskutiert wurde wie über Tore, Aufstellungen und falsche Schiedsrichterentscheidungen. Auch Proteste gegen die Ausrichtung von Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen verdeutlichen, dass Sport, Politik und Gesellschaft eng miteinander verzahnt sind.
Die Veranstaltungsreihe widmet sich dem Sport als sozialem, politischem und kulturellem Phänomen – vom Nationalsozialismus bis in die jüngste Zeitgeschichte. Welche Bedeutung wurde ihm in unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen zugeschrieben? Was hat die Geschichte des Sports mit Macht, Körperpolitiken, Identität oder Erinnerung zu tun? Wie verhält sie sich zu Fragen von Individualisierung, Kommerzialisierung oder Medialisierung?
Die Referent:innen werden solchen Fragen anhand von so unterschiedlichen Sportarten wie Fußball, Rudern oder Skateboarden nachgehen und dabei Ergebnisse aus aktuellen Forschungsprojekten und neuesten Veröffentlichungen zur Geschichte des Sports präsentieren.
Bitte beachten Sie: Die Vorträge werden auch via Zoom übertragen. Der Link dazu wird kurzfristig auf der Website der Forschungsstelle bekannt gegeben: https://zeitgeschichte-hamburg.de/home.html
donnerstags, 18:30 - 20:00 Uhr, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Beim Schlump 83, Lesesaal
Koordination: Dr. Marcel Bois / PD Dr. Yvonne Robel / Maike Raap, M.A. (Öffentlichkeitsarbeit), alle Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg