26. November 2025, 16:15 Uhr

Foto: Aishah Rahman/Unsplash
Der Vortrag beleuchtet sexualisierte Gewalt in bewaffneten Konflikten in Osteuropa aus historisch-vergleichender Perspektive. Ausgehend von einem dreidimensionalen Analyserahmen – militarisierte Männlichkeit und intersektionale Geschlechterordnungen, Gewaltlogiken sowie Akteursstrukturen bewaffneter Gruppen – wird sexualisierte Gewalt nicht als Nebenprodukt, sondern als integraler Bestandteil militarisierter Gewaltordnungen konzeptualisiert. Empirisch betrachtet stehen zwei Fallkonstellationen im Zentrum: sexualisierte Gewalt durch die deutsche Wehrmacht an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg und sexualisierte Gewalt im Russland-Ukraine-Krieg seit 2014, einschließlich der Eskalation seit 2022 mit Besatzungs-, Belagerungs- und Frontkonstellationen. Anhand der analysierten Fälle wird demonstriert, wie patriarchale und homofeindliche Normen, rassistische Hierarchien, Plünderungsökonomien und kriegsbedingte Entgrenzungen die Existenzgrundlage für sexualisierte Gewalt schaffen, sie strukturieren und legitimieren. Der Vortrag analysiert die Wechselbeziehungen zwischen unterschiedlichen Gewaltlogiken und der Organisation bewaffneter Akteure. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Konstellationen gelegt, die ein besonders hohes Risiko sexualisierter Gewalt bergen.
Ringvorlesung: Gender und Sexualität in Osteuropa, Ostmitteleuropa und im Kaukasus