Psychische Gesundheit und kulturelle Vielfalt
Online-Vorlesungs-Dialoge auf lecture2go.uni-hamburg.de
(„Bock auf Dialog?“)
Wie wir Psychische Gesundheit oder Krankheit verstehen, ist auch kulturell geprägt und entsprechen verschieden: Stimmenhören, verstummen, sich wegbeamen, dissoziieren – manches "Symptom" ist woanders kulturell gebunden, eher unauffällig oder tragbar. Lohnt es sich über den Tellerrand zu schauen und voneinander zu lernen? Ist der westlich geprägte Auftrag zur "Selbstoptimierung" vielleicht doch nicht der Schlüssel zum Glück, sondern eher Beitrag zu Stress?
Warum wird die Schwelle zur psychischen Erkrankung in unserer Kultur immer niedriger? Hat das auch etwas damit zu tun, wie wir Gesundheit (miß)verstehen? Welche gesellschaftlichen Herausforderungen belasten unsere psychische Gesundheit? Und erfordern sie nicht präventive und politische Antworten statt neuer Diagnosen? Warum haben psychisch erkrankte Menschen manchmal in anderen Kulturen eine höhere Recovery-Rate? Kulturelle Vielfalt gerät heutzutage allzu leicht unter Generalverdacht; ist sie nicht vor allem Reichtum und Schatz oder zumindest, eine Gelegenheit, voneinander zu lernen?
Lecture2Go-Video-Aufzeichnungen
Die Videos werden ab den angegebenen Terminen veröffentlicht.
Die Vorträge im Einzelnen
Wofür leben wir? – Psychische Gesundheit und geglücktes Leben im kulturellen Vergleich
Wie wir unser Leben ausrichten ist auch abhängig von Herkunft und Kultur. In welcher Weise ist psychischer Gesundheit kulturabhängig? Können wir von anderen Kulturen lernen? Kann auch Glück verschieden verstanden werden? Denken wir über psychische Gesundheit erst nach, wenn sie bedroht ist? Kann unser Verständnis von Glück ins Unglück führen? Kann Kulturelle Vielfalt vielleicht sogar Voraussetzung von Gesundheit und hilfreich im Umgang mit Krisen sein.
Canan Baskin, Asklepios Klinik Harburg / Dr. Francesco Russo, Migrationsbeirat Leipzig / Dr. Gina Sissoko, Yale-Uni New York / Projekt Mossaig, Hamburg (angefragt)
24.11.2026
Transkulturelle Vielfalt – Unterschiedliche Bedeutung psychischer Krisen und Erkrankungen?
Auch psychische Ausnahmezustände sind kulturabhängige unterschiedlich häufig und bedeutsam. Welche besonderen Erfahrungen erklären z.B. besondere Wahrnehmungen oder Verstummen und Lähmung besser als die bekannten Diagnosen? Wo drohen gravierende Missverständnisse? Wie können wir unseren Blick erweitern und hinzulernen – auch im Hinblick auf die eigene Kultur? Welche Bedeutung hat Sprache? Welche Rolle haben Sprach- und Kultur-Mittler oder Dolmetscher? Was kann KI? Welchen Stellenwert hat die politische Partizipation?
15.12.2026
Macht Rassismus krank? – Wie Rassismus die Diagnostik geprägt hat
Es gibt viele Formen des Rassismus – antimuslimisch, antisemitisch, auf Hautfarbe bezogen u.a. Die Hintergründe sind komplex, die Folgen auch - im Hinblick auf psychische Gesundheit und Erkrankung. Oft geht es um Hass. Hass vergiftet – am Ende auch den, der hasst? – Die aktuelle psychiatrische Diagnostik hat eigene koloniale Geschichte? Wirkt die noch nach? Was können antirassistische Projekte leisten? Wir sollten sie verstehen und fördern als Beitrag zu Prävention und Demokratie.
Dr. Birsen Kahraman, Psychologische Psychotherapeutin und Supervisorin , München /Sen.- Prof. Dr. Andreas Heinz, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Tübingen / Uli Heidemann, Psychotherapeut, Hamburg, Projekte gg. Rassismus
12.01.2027
Kultursensible Behandlung psychischer Erkrankung bei Geflüchteten – ein Lernen für alle?
Bei manchen psychischen Erkrankungen und bei vielen Geflüchteten droht sich aktuell das Stigma-Risiko zu potenzieren. Doch wenn wir Fremde ablehnen, betrifft das auch die, die im eigenen Land sich selbst und anderen fremd werden. Wenn Geflüchtete da landen, wo die eigene Kultur und Sprache überhaupt nicht vorkommt, steigt das Schizophrenie-Risiko. Wir brauchen Resonanz und Respekt – auch und gerade in kultureller Hinsicht. Doch wie geht das? Wie können kultursensible Hilfen aussehen? Wie können wir kulturelle Vielfalt als Chance für alle begreifen?
Makka Dzameva, Projekt CORESZON, Hamburg / Dr. Sondos Soua, Dt. Tun. Ges, Spezialambulanz Hedwig-Klinik Berlin / Vera Mohwinkel, Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V. (NTFN), RefuKey-Projekt (angefragt)
02.02.2027
"Gendered racism" – Heilung beginnt in der Community
Dr. Gina Sissoko ist in Hamburg aufgewachsen, lebt und forscht jetzt in New Vork. Sie hat erlebt, worüber sie jetzt forscht: Mikroaggressionen“´, die sich zu großer Gewalt addieren; Rassismus und Sexismus, die sich wechselwirkend potenzieren. Aber sie hat auch erlebt und beforscht, welche Orte es braucht, um Kraft zu schöpfen, Macht zu entwickeln und der Gewalt zu entkommen. Wie können wir solche Orte bewahren und fördern? Was ist mit „Black psychology“ gemeint, ein Begriff, den sie wesentlich geprägt hat und an vielen Orten lehrt? Könnte auch der deutsche Gesundheitsdiskurs davon profitieren?
Gemeinsam mit engagierten Frauen aus den letzten Dialogen sprechen Prof. em. Dr. Thomas Bock und Josephine Enders (IPU Berlin) mit Dr. Gina Sissoko (NY)
23.02.2027
Kulturelle Vielfalt als Reichtum – Trialogische Reflexion
"Wer Menschen aus anderen Kulturen abweist, will auch das Fremde in sich nicht wahrhaben. Wer aber neugierig ist, öffnet auch denen die Tür, die sich selbst fremd werden. Wenn der Horizont weiter wird, profitieren alle." (Irre menschlich 2014). Was heißt das heute?
Datenbank einzelne, öffentliche Vorträge

Foto: UHH
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