Follow the money
Finanzierungslogiken und ihre Folgen für die Kinder- und Jugendhilfe
Unter dem Titel "follow the money" richtet die Ringvorlesung des Arbeitsbereichs Sozialpädagogik im Wintersemester 2026/27 den Blick auf Finanzierungslogiken und ihre Folgen für die Kinder- und Jugendhilfe. Öffentliche Investitionen lenken, ermöglichen oder begrenzen gesellschaftliche Entwicklungen. Wo investieren Bund, Länder und Kommunen? Wo wird gekürzt? Welche Programme werden ausgebaut, welche Strukturen bleiben prekär finanziert? Politische Investitionsentscheidungen sind mehr als haushaltstechnische Fragen: Sie sind Indikatoren gesellschaftlicher Transformation und Ausdruck der Verhandlung sozialer Problemlagen.
Der als Kinder- und Jugendhilfe bezeichnete Bereich der sozialen Infrastruktur hat den gesetzlichen Auftrag, „dazu bei[zu]tragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen“ (SGB VIII § 1 Abs. 3).
Die Rahmenbedingungen zur Realisierung der gesetzlichen Aufträge werden jedoch zunehmend schwieriger, wie sich in der Verschärfung verteilungspolitischer resp. haushaltspolitischer Debatten zeigt. In einem Ringen um kommunale, Landes-, und Bundeshaushalte besteht die Gefahr, Leistungen und Angebote der sozialen Sicherungen auf dem Rücken der Schwächsten auszutragen.
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Armut aufwachsen sowie die Einkommensungleichheit sind hierzulande in den letzten Jahren deutlich gestiegen. „Ausgeprägte soziale Ungleichheit, insbesondere die stark ungleiche Verteilung materieller Ressourcen, ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit“ (WSI Verteilungsbericht 2025, S. 3).
Gleichsam bestimmen diese Finanzierungslogiken den gesellschaftlichen Wert von Kindheit, Jugend und sozialer Unterstützung, der sich in der Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe und einem Ringen zwischen Bildung, Prävention und Intervention, Ökonomisierung und Fachlichkeit, Wirkungsorientierung und sozialer Gerechtigkeit niederschlägt.
In der Ringvorlesung bieten Expert*innen unterschiedliche Perspektiven auf die Kinder- und Jugendhilfe und diskutieren, welche Spannungen zwischen ökonomischen Logiken und sozialpädagogischen Aufträgen entstehen und welche gesellschaftspolitischen Weichenstellungen sich darin spiegeln.
dienstags, 18:15 - 19:45 Uhr, Edmund-Siemers-Allee 1, Flügel Ost, Raum 221
Die Vorträge im Einzelnen
13.10.2026
Finanzierungslogiken und ihre Folgen für die Kinder- und Jugendhilfe – Zur Einführung
Arbeitsbereich Sozialpädagogik, Universität Hamburg
Arbeitsbereich Sozialpädagogik, Universität Hamburg
03.11.2026
Woher kommt das Geld und wie wird es wofür ausgegeben? – Fachliche versus fiskalische Steuerung der Kinder- und Jugendhilfe
Prof. Dr. Karin Böllert, Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik, Universität Münster
Prof. Dr. Karin Böllert, Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik, Universität Münster
17.11.2026
Weiterentwicklung des SGB VIII im Spannungsfeld von Sparlogik und fachlichem Anspruch
Borris Diederichs, Referent für Kinder- und Jugendhilfe, Paritätischer Gesamtverband
Weiterentwicklung des SGB VIII im Spannungsfeld von Sparlogik und fachlichem Anspruch
Borris Diederichs, Referent für Kinder- und Jugendhilfe, Paritätischer Gesamtverband
01.12.2026
Daten und Fakten – Ausgabenverteilung in der Kinder- und Jugendhilfe (fachpolitisch gelesen)
Prof. Dr. Jens Pothmann, Professur für „Empirische Kinder- und Jugendhilfeforschung“, Forschungsverbund TU Dortmund / Deutsches Jugendinstitut / Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik, Universität Hildesheim
Prof. Dr. Jens Pothmann, Professur für „Empirische Kinder- und Jugendhilfeforschung“, Forschungsverbund TU Dortmund / Deutsches Jugendinstitut / Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik, Universität Hildesheim
15.12.2026
Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg
Dirk Bange, Leiter des Amtes für Familie der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung in Hamburg
Dirk Bange, Leiter des Amtes für Familie der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung in Hamburg
12.01.2027
Auswirkungen der Unterfinanzierung in den Feldern der Kinder- und Jugendhilfe am Beispiel der Kinder- und Jugendarbeit/- bildung
Vera Koritensky & Anja Post-Martens, Geschäftsstelle Verband Kinder- und Jugendarbeit Hamburg, VKJH / Fatih Ayanoğlu, Geschäftsführer, Landesjugendring Hamburg / Martin Karolczak, Gemeinwesenarbeit GWA St. Pauli
Vera Koritensky & Anja Post-Martens, Geschäftsstelle Verband Kinder- und Jugendarbeit Hamburg, VKJH / Fatih Ayanoğlu, Geschäftsführer, Landesjugendring Hamburg / Martin Karolczak, Gemeinwesenarbeit GWA St. Pauli
26.01.2027
SGB VIII-Gesetzesreform & Kinder- und Jugendbericht
Prof. Dr. Regina Rätz, Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe, Alice-Salomon-Hochschule Berlin
SGB VIII-Gesetzesreform & Kinder- und Jugendbericht
Prof. Dr. Regina Rätz, Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe, Alice-Salomon-Hochschule Berlin
Koordination: Mia-Charlott Bohnet / Moritz Frietzsche / Dr. Mathias Gintzel / Prof. Dr. Stefan Köngeter / Florian Muhl / Prof. Dr. Holger Schoneville / Moritz Schwerthelm / Dr. Inga Selent, alle Erziehungswissenschaftliche Fakultät, Universität Hamburg
Datenbank einzelne, öffentliche Vorträge

Foto: UHH
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