Aktuelle Herausforderungen bei der Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe in HamburgDirk Bange, Leiter des Amtes für Familie der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung in Hamburg
15. Dezember 2026, 18:15 Uhr

Foto: UHH/Esfandiari
Finanzierungslogiken und ihre Folgen für die Kinder- und Jugendhilfe
Unter dem Titel "follow the money" richtet die Ringvorlesung des Arbeitsbereichs Sozialpädagogik im Wintersemester 2026/27 den Blick auf Finanzierungslogiken und ihre Folgen für die Kinder- und Jugendhilfe. Öffentliche Investitionen lenken, ermöglichen oder begrenzen gesellschaftliche Entwicklungen. Wo investieren Bund, Länder und Kommunen? Wo wird gekürzt? Welche Programme werden ausgebaut, welche Strukturen bleiben prekär finanziert? Politische Investitionsentscheidungen sind mehr als haushaltstechnische Fragen: Sie sind Indikatoren gesellschaftlicher Transformation und Ausdruck der Verhandlung sozialer Problemlagen.
Der als Kinder- und Jugendhilfe bezeichnete Bereich der sozialen Infrastruktur hat den gesetzlichen Auftrag, „dazu bei[zu]tragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen“ (SGB VIII § 1 Abs. 3).
Die Rahmenbedingungen zur Realisierung der gesetzlichen Aufträge werden jedoch zunehmend schwieriger, wie sich in der Verschärfung verteilungspolitischer resp. haushaltspolitischer Debatten zeigt. In einem Ringen um kommunale, Landes-, und Bundeshaushalte besteht die Gefahr, Leistungen und Angebote der sozialen Sicherungen auf dem Rücken der Schwächsten auszutragen.
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Armut aufwachsen sowie die Einkommensungleichheit sind hierzulande in den letzten Jahren deutlich gestiegen. „Ausgeprägte soziale Ungleichheit, insbesondere die stark ungleiche Verteilung materieller Ressourcen, ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit“ (WSI Verteilungsbericht 2025, S. 3).
Gleichsam bestimmen diese Finanzierungslogiken den gesellschaftlichen Wert von Kindheit, Jugend und sozialer Unterstützung, der sich in der Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe und einem Ringen zwischen Bildung, Prävention und Intervention, Ökonomisierung und Fachlichkeit, Wirkungsorientierung und sozialer Gerechtigkeit niederschlägt.
In der Ringvorlesung bieten Expert*innen unterschiedliche Perspektiven auf die Kinder- und Jugendhilfe und diskutieren, welche Spannungen zwischen ökonomischen Logiken und sozialpädagogischen Aufträgen entstehen und welche gesellschaftspolitischen Weichenstellungen sich darin spiegeln.