Zwischen "sozialem Sprengsatz" und "multikultureller Avantgarde": Deutungskonflikte um migrantische Jugendkulturen in der Bundesrepublik und Großbritannien (1970-1990)Max Schellbach, M.A., Historische Bildungsforschung, Universität zu Köln
28. Januar 2027, 18:30 Uhr

Foto: © Merit Pietzker (Schambach)
Seit dem Ende der 1970er Jahre wurden neue Jugendsubkulturen in vielen westeuropäischen Gesellschaften verstärkt öffentlich diskutiert. Die Rolle migrantischer Jugendkulturen ist bislang jedoch nur wenig erforscht. Der Vortrag untersucht am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland und Großbritanniens, wie migrantische Jugendkulturen im Kontext von Arbeitsmigration und postkolonialer Migration in den Fokus von Medien, Politik und Sozialwissenschaften rückten und sich zu einem Kristallisationspunkt von Debatten über Migration und urbane Problemlagen entwickelten. Die Deutungen dieser Jugendkulturen waren jedoch höchst umstritten. Einerseits galten sie als Symptom sozialer Krisen und einer bedrohten gesellschaftlichen Ordnung. Andererseits erschienen sie in antirassistischen und linken Milieus als Ausdruck kultureller Kreativität, politischer Selbstbehauptung und als Hoffnungsträger einer multikulturellen Gesellschaft. Der Vortrag fragt zuletzt danach, wie auch die Agency migrantischer Jugendlicher selbst historisch sichtbar gemacht werden kann.