Von Springerstiefeln zu Tiktok-Feed. Radikal rechte Jugendkulturen im Wandel (Gespräch)PD Dr. Daniel Gerster, Neuere Geschichte / Zeitgeschichte im Arbeitsbereich Deutsche Geschichte, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg / Laura Hassler, M.A., Allgemeine Geschichte der Neuesten Zeit, Universität Greifswald
26. November 2026, 18:30 Uhr

Foto: © Merit Pietzker (Schambach)
Junge Männer in Springerstiefeln und mit Bomberjacken: Kaum ein anderes Bild hat die öffentliche Vorstellung von der extremen Rechten in Deutschland in den 1980er und 1990er Jahren so nachhaltig geprägt. Im Gespräch gehen Laura Haßler und Daniel Gerster dem Ursprung dieses Stereotyps nach. Sie sprechen darüber, wie junge Menschen nach 1945 im radikal rechten Milieu aufwuchsen und welcher Wandel sich über die Jahrzehnte beobachten lässt.
Als in den 1970er Jahren extrem rechte Gewalt allgemein zunahm, waren daran überproportional viele Jugendliche beteiligt. Wissenschaft und Öffentlichkeit verkürzten den Rechtsextremismus daraufhin vielfach zu einem „Jugendproblem“ – eine Form der Pädagogisierung, die den Umgang mit der extremen Rechten entpolitisierte. Zugleich greift sie auch deshalb zu kurz, weil sie rechte Jugendliche nicht als das anerkennt, was sie sind: Teil einer sich wandelnden Jugendkultur, in der seit den 1960er Jahren der eigenen subjektiven Erfahrung und Identität eine wachsende Bedeutung zu gemessen wurde.