Grenzerfahrungen. Jugend, Privilegierung und Mauer im Berliner Villenviertel Wannsee zwischen 1970 und 1990PD Dr. Eva Gajek, Zeitgeschichte und Archiv, Leibniz Institut für Raumbezogene Sozialforschung Erkner
21. Januar 2027, 18:30 Uhr

Foto: © Merit Pietzker (Schambach)
Wie erinnert man sich an ein privilegiertes Aufwachsen? Und wie verändert sich der Blick auf die eigene Kindheit, wenn der Ort, an dem man groß geworden ist, selbst tiefgreifende Wandlungen erfahren hat? Der Vortrag widmet sich diesen Fragen am Beispiel von Berlin-Wannsee und stützt sich auf ausgewählte Oral-History-Interviews mit Menschen, die zwischen den 1970er und 1990er Jahren dort aufgewachsen sind. Mit Wannsee gerät ein Ort in den Blick, in dem physische und soziale Grenzen in besonderer Weise aufeinandertrafen. Lange galt der Stadtteil als eine der "guten Adressen" Berlins. Mit dem Bau der Mauer wurde das Villenviertel zugleich zu einem Grenzgebiet am Rande der Stadt, bevor sich der Ort nach 1990 durch das Zusammenwachsen mit den Wohnlagen am Potsdamer Griebnitzsee erneut veränderte. Im Erinnern an Nachbarschaft, Schulwege oder Alltag wird sichtbar, wie die Interviewpartner diesen Ort und seinen Wandel wahrnahmen und sich in ihm verorteten.
Ausgehend von diesem Fall fragt der Vortrag schließlich, wie sich Jugendgeschichte schreiben lässt, wenn Privilegierung oft gerade durch ihre Selbstverständlichkeit geprägt ist.