"Me so angry" – Nashi 44, eine wütende Madame Butterfly aus NeuköllnProf. Sebastian Sprenger, Musiktheorie, Hochschule für Musik und Theater Hamburg
2. Dezember 2026, 14:15 Uhr

Foto: Derbal 2025
Identität, Widerstand und Musik in Asien und Afrika
Die Ringvorlesung am Asien-Afrika-Institut untersucht Popkultur als Medium gesellschaftlicher Kritik, politischer Mobilisierung und Identitätsbildung in unterschiedlichen kulturellen Kontexten Asiens und Afrikas. Der Fokus auf dem Gebiet der Musik erlaubt einen vergleichenden Blick über Regionen und disziplinäre Grenzen hinweg. Die Vorlesung behandelt Pop als politisches und gesellschaftliches Feld und greift dabei Theorien zu Popkultur, Protest, Öffentlichkeit, Kunst und Medien jenseits einer eurozentristischen Perspektive auf. Die behandelten Themen reichen von Protest Liedern in Syrien und popkulturellen Massenpartys in Saudi-Arabien über Cui Jian und Rockmusik in China, Kerzenlichtproteste in Südkorea bis Hip Hop in Vietnam.
Wann wird Pop politisch – und wann Protest popkulturell? Welche Rolle spielen Kommerz, Zensur und Medien? Wie verhandeln Künstler*innen Macht und Moral, Gender und Nation, Religion und Globalisierung? Die Vorlesung fragt nach den Bedingungen kultureller Produktion in autoritären, postkolonialen und demokratischen Kontexten, nach Zensur und Selbstzensur, nach Kommerzialisierung und Vereinnahmung, aber auch nach subversiven Strategien, Ironie und ästhetischer Codierung.
Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Islamwissenschaft, Japanologie, Koreanistik, Turkologie und Südostasienstudien entsteht ein transregionaler Vergleichsraum, der Gemeinsamkeiten ebenso sichtbar macht wie spezifische historische Konstellationen. Pop erscheint so weder als bloße Unterhaltung noch als romantisierter Widerstand, sondern als ambivalentes Feld zwischen Markt, Staat und Straße – als Klangraum politischer und gesellschaftlicher Imagination.