Interview mit Hans-Ulrich Scholl
"Ich will wirtschaftliche Zusammenhänge besser verstehen!"
Herr Scholl, warum haben Sie ein Kontaktstudium aufgenommen?
Schon während meiner Berufstätigkeit hatte ich geplant, nach meiner Pensionierung wieder zu studieren. Von Freunden hatte ich vom Kontaktstudium an der Universität Hamburg gehört.
Im Sommersemester 2021 habe ich mich angemeldet und Vorlesungen zur Ägyptologie, Philosophie und der Geschichte Roms besucht. Alle Vorlesungen fanden wegen Corona online statt. Im folgenden Semester habe ich das Studium der Ägyptologie fortgesetzt und dazu Vorlesungen in Archäologie, Rechtswissenschaft und Sanskrit gehört. Ich merkte aber, dass der Zeitaufwand einschließlich Vor- und Nacharbeit viel zu groß war. Ein typischer Anfängerfehler!
Haben Sie dann die Themen reduziert?
Ja, ich habe mich danach sieben Semester wegen meines Interesses für Indien und Sprachen vor allem mit Sanskrit beschäftigt. Das lief weitgehend über Zoom auf Englisch in sehr kleinen Gruppen in intensiver Zusammenarbeit mit Studierenden aller Altersgruppen aus vielen Ländern. Auch dank der Professoren Zimmermann, Isaacson und Stuart spürte man praktisch keinen Unterschied zwischen Kontaktstudierenden und regulären Studierenden.
Welche Vorlesungen besuchen Sie aktuell?
In den letzten Semestern habe ich den Schwerpunkt des Studiums auf Ökonomievorlesungen gelegt, um wirtschaftliche Zusammenhänge besser verstehen zu können.
Besuchen Sie lieber Online- oder lieber Präsenzveranstaltungen?
Da ich im Kreis Pinneberg wohne, haben Online-Veranstaltungen für mich den Vorteil, dass die ca. zweistündige An- und Abreise entfällt. Ein intensiver Austausch ist in kleinen Gruppen trotzdem möglich, wie meine Erfahrungen mit den Sanskritkursen zeigen. Generell bevorzuge ich aber Präsenzveranstaltungen, weil man da eher auch mit den Regelstudierenden ins Gespräch kommt. Interessant waren z. B. Diskussionen von umstrittenen Themen der Mikro- und Makroökonomie. Für den Austausch mit den anderen Kontaktstudierenden empfehle ich, an den monatlichen Kontakt-Cafés teilzunehmen.
Kommen Sie mit der Technik und den verschiedenen Plattformen an der Uni gut klar?
Die Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen und Übungen ist durch die überwiegend sehr gute digitale Unterstützung des Studiums sehr gut möglich ‒ Unterlagen, Übungen, z. T. auch komplette Vorlesungen, finden sich auf AGORA, OpenOLAT oder Lecture2Go. Da ich mich schon immer für IT interessiert habe, sind diese gut dokumentierten Mittel für mich leicht nutzbar. Irritierend finde ich, dass die STiNE-App sehr unzuverlässig ist. Sie kann keinesfalls als Ersatz für die STiNE-Website genutzt werden.
Welche Nachteile sehen Sie bei einem Kontaktstudium?
Ein Nachteil könnte darin bestehen, dass man keinen Studienabschluss erreichen kann. Da wir Kontaktstudierende keine Punkte brauchen, sollten wir den regulären Studierenden besonders da den Vortritt einräumen, wo sie Punkte bekommen können.
Wie geht es weiter mit Ihrem Studium?
Ich möchte das wunderbare Angebot des Kontaktstudiums weiter nutzen, um mein Wissen zu erweitern und aktuell zu bleiben. Da mich vieles interessiert, ist die Auswahl meiner Studienfächer recht spontan. Ich habe bisher aber vermieden, Chemievorlesungen zu besuchen, um die jungen Studierenden nicht mit meinen Erfahrungen zu nerven.
Was würden Sie neuen Kontaktstudierenden raten?
Ich empfehle das Kontaktstudium allen als sinnvolle Beschäftigung im Alter. Mein Tipp für den Einstieg ist, sich viel Zeit für die Lektüre des Vorlesungsverzeichnisses zu lassen und sich auf wenige interessante Veranstaltungen zu beschränken. Zwischen Fakultätsveranstaltungen und dem Zusatzprogramm nur für Kontaktstudierende würde ich dabei nicht unterscheiden.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Gespräch führte Magdalene Asbeck im Juni 2026